Anneke Haase

sie/ihr

Anneke Haase

BA

KD

Ich spreche viel mit Menschen über ihre Schmuckstücke und die Erinnerungen die damit verbunden sind. Oft beginne ich mit einer einfachen Frage nach einem Ring, einer Kette oder einem Anhänger (...) Aber schnell geht es um Beziehungen, besondere Momente, Verluste oder Menschen die wichtig waren und sind. Ich empfinde meinen Arbeitsprozess als sehr bereichernd. Menschen die ich vorher nicht kannte, geben dem Projekt neue Perspektiven und Inhalte. Das Projekt entsteht dadurch nicht nur aus meinen eigenen Gedanken, sondern vor allem durch den Input anderer die daran teilhaben. Jede Begegnung bringt etwas Unerwartetes mit sich. Das macht den Prozess offen und ein Stück weit unvorhersehbar. Es könnte etwas Altes sein, aber genauso gut ein erst vor Kurzem gekauftes Armband. Vielleicht ist es ein wertvolles Schmuckstück aus Gold, vielleicht etwas Gefundenes, Selbstgemachtes oder etwas, das materiell kaum einen Wert hat. Für mich stellt sich die Frage, wie sich solche Geschichten gestalterisch übersetzen lassen. Wie kann man Erinnerungen darstellen, ohne sie konkret abzubilden? Wie lassen sich Fragmente, Lücken oder Veränderungen in eine visuelle Sprache übersetzen?

_stück

Archivkarten zum Thema Schmuck als Erinnerungsträger

_stück ist ein Projekt, das Schmuck als Träger von Erinnerungen und Geschichten thematisiert. Anhand von Karten werden einzelne Schmuckstücke sowie die mit ihnen verbundenen Ereignisse, Beziehungen und Bedeutungen archiviert. Klassische Archive sammeln, ordnen und bewahren. Schmuck übernimmt diese Funktion auf einer persönlichen Ebene: unsystematisch, emotional und dynamisch. Es entsteht ein interessantes Spannungsfeld zwischen Speicherung und Erinnerung. Mich interessiert, wie diffus Erinnerungen sind und wie sie dennoch – oder gerade deswegen – in Schmuckstücken einen festen und häufig langlebigen Speicherort finden. Gegenstände wirken nachweislich als Erinnerungsträger, indem sie autobiografische Erinnerungen auslösen, emotional-symbolische Bedeutungen tragen und im Zusammenspiel mit Menschen Erinnerungen speichern, verkörpern und abrufbar machen. Schmuck ist dabei besonders wirksam, weil er körpernah getragen wird, stark emotional aufgeladen ist und oft über lange Zeit erhalten bleibt. _stück lädt dazu ein, hinzuschauen, zuzuhören und selbst zu erzählen. Wenn Erinnerungen erzählt und geteilt werden, bleiben sie lebendig. Das Sichtbarmachen persönlicher Geschichten schafft Raum für Empathie, Wiedererkennung und einen bewussteren Umgang mit dem, was wir bewahren.

Begleitet durch Prof. Alexander Sander und Vertr.-Prof. Dr. phil. Lioba Schlösser

Jule Schelletter

zum Projekt
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