Benno Schulze

er/ihm

Benno Schulze

BA

MD

Ein Teil des Materials war vor dem Film da. Ich war mit konkretem Plan im Ruhrpott: 3D-Scans anfertigen, alte Industriehallen, verlassene Wohngebäude, Objekte die irgendwo rumstanden. Nur wusste ich noch nicht was daraus wird. Es ging mir ums Konservieren, Gebäude die verschwinden, Zustände die sich verändern. Im digitalen verewigen, was in der Realität bald abgerissen wird. Auch die Dias passen da rein, einige tausend fremde Familienfotos, die es zu verschenken gab. Alltag, Urlaube, Leute, Orte und Stimmungen einer Familie über 50 Jahre hinweg. Bewahren was sonst einfach weg wäre. Was mich eigentlich antreibt ist World Building. Nicht Storytelling im klassischen Sinn: keine Dialoge, kein Voice Over, kein „und dann". Einfach: ein Raum, der für sich selbst spricht. Ich glaube, dasss Bilder das können ohne dass man ihnen hilft. Viel Zeit geht darin auf, Dinge so aussehen zu lassen wie sie sich anfühlen sollen, nicht wie sie sind. Licht das drückt, Texturen die vor vor alter Spachtelmasse und Dreck strotzen. Räume die vielleicht sogar eigene Erinnerungen beim Betrachter wecken. Die größte Herausforderung: ich weiß oft nicht wann etwas fertig ist. Oder ob es das überhaupt werden kann. Manchmal fühlt sich der Prozess weniger wie Erschaffen an und mehr wie Suchen. Als wäre das Ding schon da und ich muss nur lang genug hinschauen.

Transit

Ein 3D-animierter Kurzfilm als visuelle und auditive Erforschung materialisierter innerer Zustände

Es gibt Momente, in denen man sich in einer Situation wiederfindet, ohne zu wissen, wie man dorthin gekommen ist. Einen Ort, der vertraut wirkt und zugleich grundlegend fremd. Einen Zustand, den man kennt, dem man trotzdem nicht begegnen will. "Transit" handelt von genau diesem Moment. Ich erwache in einem heruntergekommenen Wohngebäude. Die schmutzigen Fenster mit vergilbten Spitzenvorhängen verhangen. Ein Diaprojektor rattert im Nebenraum: fremde Dias, oder eigene, das lässt sich nicht mehr sagen. Betonbauten und 70er Jahre Charme, von schwarzem Schatten verdeckt. Was wie eine Reise durch den Raum beginnt, entpuppt sich als Bewegung nach innen: Die Orte, die ich durchschreite, sind keine Schauplätze, sie sind Zustände. Erinnerung, Zwischenraum, Konfrontation. Der Film erzählt vollständig ohne Sprache. Der Ton besteht ausschließlich aus intradiegetischen Geräuschen, Schritte, Atemzüge, das Surren einer Rolltreppe, ein Herzschlag. Irgendwo, immer knapp außer Reichweite, klingt etwas Warmes: Sommerlärm, ein Lachen, Vogelzwitschern. Nie ganz erreichbar. Mich hat bei diesem Projekt die Frage beschäftigt, wie sich ein innerer Zustand sichtbar machen lässt. Nicht durch Erklärung, sondern durch Erfahrung. Was passiert, wenn Architektur aufhört, neutral zu sein, und anfängt, zu fühlen? Transit ist mein Versuch, genau das herauszufinden. Kein Ausweg, keine Auflösung, aber vielleicht ein Pflänzchen im grau.

Begleitet durch Prof. Henning Tietz und Prof. Wenzel Sebastian Spingler

Klara Miller

zum Projekt
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