Johannes Mauer

er/ihm

Johannes Mauer

BA

MD

Mein Prozess begann schon weit vor dem Start des letzten Semesters. Bereits im Vorfeld machte ich mir viele Gedanken darüber, welche Geschichte ich erzählen und mit welcher Technik ich arbeiten möchte. Mir war schnell klar, dass ich in meiner Geschichte eine Exposition über eine Welt geben will, in der das tragende Ereignis bereits geschehen ist. Als die Geschichte samt Prämisse stand, hatte ich ein gutes Gefühl dabei. Und doch fiel es mir schwer, mit dem Projekt anzufangen. Ich hatte das Gefühl, dass weder Storyboard noch Styleframes funktionierten. Das Problem: Die Geschichte war noch nicht meine. Es war mir wichtig, mich in meine Geschichte hineinzufühlen und zu erkennen, worum es eigentlich wirklich geht. Gerade deshalb war dieser Teil des Prozesses schwierig, weil er ein passiver ist. Stundenlang am Arbeitsplatz zu sitzen wäre vergleichsweise einfach gewesen. Mir selbst genügend Zeit und Ruhe einzuräumen, damit die Geschichte emotional bei mir ankommen konnte, fiel mir deutlich schwerer. Ich habe viel darüber nachgedacht, welche Techniken in meinem Projekt zum Einsatz kommen können, um der Erzählung meiner Geschichte im Zeitrahmen eines Semesters gerecht zu werden. Anstatt dynamische Kamerawinkel und schnelle Bewegungen zu nutzen, habe ich mich für statische Wide Shots und schlicht animierte Illustrationen entschieden. Das hatte zugleich den positiven Effekt, der Geschichte eine visuelle Stille zu verleihen, die der thematischen Größe kontrastreich gegenübersteht.

UNHATCHED

Ein animierter Kurzfilm darüber, was passiert, wenn ein Ei nie schlüpft.

Wie geht man mit Fragen um, die eines Tages auftauchen und nie beantwortet werden? Was ist das für ein Gefühl, wenn man sich zum ersten Mal fragt: Warum lebe ich? Wofür? Und was passiert danach? Was macht es mit einer Gesellschaft, wenn diese Fragen plötzlich unausweichlich werden? In UNHATCHED geht es um eine Stadt, auf die eine Naturkatastrophe trifft, die alle diese Fragen aufwirft. In der Blütezeit der wachsenden Stadt taucht aus dem Nichts ein Ei auf. Im ersten Moment scheint es wie ein übliches Hühnerei, aber es lässt sich nicht berühren, sondern beginnt, Materie zu absorbieren, die mit der Oberfläche in Kontakt kommt. Das mysteriöse Ei erregt immer mehr Aufmerksamkeit, denn anstatt irgendwann zu schlüpfen, wächst es stetig. Das Ei wird wissenschaftlich untersucht, als Symbol der Stadt vermarktet und um das Mysterium des Eis bildet sich ein religiöser Kult. Als jedoch das nie endende Wachstum immer präsenter wird, vertiefen sich die Menschen in ihre jeweilige Ideologie und fangen an das gewohnte Leben schneller zu zerstören, als es das Ei jemals könnte. Die Protagonistin berichtet in einem Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart, wie es so weit kommen konnte. Der Umgang mit dem Unvermeidbaren und Ungewissen fasziniert mich genau so sehr, wie die Geschichten des kosmischen Horrors der individuellen Unbedeutsamkeit. Die Charaktere der Geschichte positionieren sich letztlich zur Frage nach dem Sinn des Lebens.

Begleitet durch Prof. Henning Tietz und Diplom in der Bild. Kunst Meike Staats

Lina Bornemann

zum Projekt
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