Linda Kissau

sie/ihr

Linda Kissau

BA

KD

Ich sitze in der Bib und mein Kopf ist überall, außer da, wo er sein sollte. Ich habe jetzt schon eine Stunde drangesessen, Zeit für eine Pause, oder? Was gibt’s heute eigentlich in der Mensa? Gleich noch schnell ins Casino Kuchen holen, irgendwie muss ich diese stressige Zeit ja überleben. Am besten mache ich mir heute Abend nur Nudeln mit Pesto, das geht schnell, dann kann ich mich danach noch dransetzen. In meinem Kopf ist so ein Chaos, ich habe das Gefühl, ich jongliere mit tausend To-Dos gleichzeitig. Schon wieder nichts geschafft heute. Ok, für morgen stelle ich mir den Wecker auf 8 Uhr und dann stehe ich dieses Mal auch wirklich auf und leg direkt los mit Uni. Wirklich! Was mache ich hier eigentlich? Immerhin habe ich das perfekte Thema ausgewählt. Wenn sich jemand mit Selbstzweifeln auskennt, dann ich (RIP). Da ist die ganze Zeit dieser unterschwellige Stress in meinem Kopf, jede Sekunde. Ich darf mir keine Auszeit gönnen. Ich darf keine gute Zeit haben. Ich darf nicht entspannen. Ich muss, muss, muss. Am besten jede freie Minute. Wenn ich mich dann endlich aufraffen kann, starre ich bloß stundenlang auf meinen Laptop und kriege nichts hin. Ich bin wie gelähmt. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Das Projekt erscheint mir wie ein riesiger, unüberwindbarer Berg, der sich vor mir auftürmt und mit jedem Tag höher wird. Überforderung. Stress. Panik. Ich fühle mich so lost. Da sind so viele Fragen in meinem Kopf und nirgendwo Antworten.

Rauschen im Kopf

Magazin zum Thema Selbstzweifel

Es gibt Gedanken, die nicht laut werden müssen, um präsent zu sein. Wie ein Rauschen im Kopf sind sie immer da, bohren sich tief in das Innerste und lassen nicht mehr los. Selbstzweifel sind ein zutiefst menschlicher Teil unseres Erlebens, dennoch fällt es oft schwer, über sie zu sprechen. Stattdessen bleiben sie unausgesprochen und wachsen im Verborgenen zu einem unüberwindbaren inneren Kampf heran. Mit „Rauschen im Kopf“ versuche ich, mich diesem oft tabuisierten Thema anzunähern. Das gestalterische Magazin verbindet theoretische und aufklärende Inhalte über Selbstzweifel mit emotionalen Monologen und anonymen Stimmen. Dabei entsteht ein Raum für Reflexion, Wiedererkennung und Austausch. Ziel des Projekts ist es, Selbstzweifel sichtbar zu machen, ihre Mechanismen besser verständlich werden zu lassen und zu zeigen, dass wir mit ihnen nicht allein sind. Ergänzt wird die inhaltliche Ebene durch Bildmaterial der menschlichen Anatomie. Das Sichtbarmachen unseres Innersten dient dabei als Metapher für das Freilegen von Gedanken und Gefühlen, die sonst verborgen bleiben, und weist gleichzeitig auf etwas Verbindendes hin: Unter allen individuellen Erfahrungen teilen wir dieselbe menschliche Verletzlichkeit. „Rauschen im Kopf“ möchte dazu ermutigen, Selbstzweifeln mit Offenheit zu begegnen. Denn gerade dort, wo wir uns verletzlich zeigen, entsteht die Möglichkeit für Verständnis und echte zwischenmenschliche Nähe.

Begleitet durch Prof. Daniel Braun und Dipl.-Des. Elisabeth Schwarz

Anika Piehl

zum Projekt
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