Lisa Hartlieb
sie/ihr
BA
KD
Trust the process, sagt man ja. Das muss ich mir auch immer wieder sagen. Mein Prozess ist nicht linear. Das musste ich erst einmal akzeptieren. Pausen tun gut. Mein Kopf hört nie auf zu denken, doch Abstand tut gut und bietet Platz für neue Inspirationen. Egal wo und was, letztens war es eine Kellerassel. Bizarre Wesen. Für meinen stetigen Prozess brauche ich Inspiration und alles ist draußen. Ich dachte lange, als Gestalter denkt man sich Neues aus, aber eigentlich transferiert man Wissen und verbindet Dinge neu. Man kann so frei sein. Man kann alles machen. Das ist mega überfordernd. Aber dann hilft es mir, alles aufzuschreiben. Und dann fühlt sich mein Kopf schon wieder freier an. Die größte Herausforderung ist bei mir immer wieder, dass ich mich verliere, dort und dahin springe in meinen Gedanken oder auf InDesign, bis ich gar nicht mehr weiß, wohin ich eigentlich wollte. Oft muss ich mich selber wieder einfangen. Das kann ich inzwischen schon besser, indem ich mir sage: Hey, tolle Ideen, aber kurz mal Reality Check: Was ist machbar, was passt und was sind Hirngespinste? Manchmal habe ich Angst, wirklich zu starten, aber dann sage ich mir: It's not that deep. Einfach mal machen. Nicht zu lange Schriftarten ausprobieren oder Elemente mm für mm nach oben, unten, rechts, links verschieben. Es ist anstrengend, aber der Moment, in dem sich alles fügt, ist der Höhepunkt, auf den ich immer hinfiebere. Ein Arbeitsprozess ist auf jeden Fall eine Achterbahnfahrt, aber man muss dabei nicht alleine sein. Andere nach Feedback fragen hilft so sehr. Und ja, einfach sich selbst vertrauen, sag ich jetzt mal so locker flockig.
Mind the Gap
Ein analoges Interface für Interaktion, Materialität und bewusste Zwischenmomente im öffentlichen Raum.
Mein Projekt „Mind the Gap“ beschäftigt sich mit den kleinen Zwischenmomenten des Alltags: Warten in der Bahn, an der Haltestelle, im Wartezimmer, im Café oder zwischen Terminen. Es geht um diese kurzen Lücken, die sich oft leer, unangenehm oder unproduktiv anfühlen und deshalb fast automatisch mit einem Griff zum Smartphone gefüllt werden. Aus einem Moment der Stille wird ein Reflex: entsperren, scrollen, ablenken, weitermachen, produktiv sein. Mich interessiert, was passiert, wenn man diesen Reflex unterbricht. Statt die Lücke digital zu überbrücken, möchte ich sie analog erfahrbar machen. Dafür entwickle ich ein kompaktes Printmedium zwischen Magazin und analogem Interface. Es soll nicht nur gelesen, sondern benutzt werden: durch Impulse, Beobachten und Hinterlassen von Spuren. Der Fokus liegt nicht auf perfektem Konsum, sondern auf Handlung, Materialität und echter Präsenz. Inspiriert wurde ich von meinem eigenen automatisierten Griff zum Smartphone, aber auch von der Sehnsucht nach echten, unperfekten Momenten. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, die noch analoge Langeweile kannte, und gleichzeitig früh in digitale Systeme hineingesogen wurde. Genau dieses Dazwischen prägt mein Projekt. Das Objekt darf knicken, benutzt werden und persönliche Spuren tragen. Betrachter:innen sollen mitnehmen, dass Wartezeit nicht automatisch verlorene Zeit ist. Nicht jede Lücke muss gefüllt werden. Aber wenn wir sie füllen, sollten wir fragen: womit?
- mail lisa@hartliebs.de
- insta @lizhartlieb
Begleitet durch Prof. Nils Küppers und Dipl.-Des. Elisabeth Schwarz