Luana Niemann

sie/ihr

Luana Niemann

BA

KD

Wo fange ich an? Mit dem Thema war ich mir sicher. Mit allem anderen nicht. Demenz. Ich wusste, ich will nah ran. Aber wie nah darf man? Wie nah soll man? Die ersten Wochen: viel lesen, viel zweifeln. Ist das Thema zu groß? Zu persönlich? Zu wenig Design, zu viel Gefühl? Dann kamen die Gespräche mit den Angehörigen, mit Pflegeeinrichtungen. Diese Gespräche haben alles verändert. Ich habe recherchiert, mich vorbereitet, dachte ich kannte mich in dem Thema aus. Dann sitze ich einem Menschen gegenüber und merke: ich weiß gar nichts. Ich habe gelernt, dass Erinnerung nicht gleich Verbindung ist. Das wurde irgendwann ein innerer Anker für meinen Prozess. Ich möchte keine Personen bloßstellen, sondern Emotionen schaffen. Größte Herausforderung: Das Unsichtbare sichtbar machen, ohne es zu erklären. Ohne zu viel zu sagen. Design, das schweigt, aber trotzdem spricht. Ich möchte kein Mitleid auslösen. Ich möchte: Stille. Wiedererkennung. Dieses Gefühl von: „oh, so fühlt sich das an“ Irgendwann habe ich aufgehört mich zu fragen, ob meine Arbeit "gut genug" ist. Und angefangen mich zu fragen, ob sie ehrlich ist. Ich glaube, das war der Moment, wo das Projekt wirklich begonnen hat.

da.zwischen

Ein fotografisches Projekt über die Facetten der Demenz.

Ich bin der Meinung, dass gutes Design nur entsteht, wenn man wirklich versteht. Und echtes Verstehen beginnt mit Zuhören. Dieses Projekt ist meine Art, das Gehörte weiterzugeben. Tritt ein. Fühle. Und vielleicht verändert sich dein Blick auf Menschen mit Demenz und auf alle, die täglich für sie da sind. In meiner Arbeit möchte ich keinen Abstand halten. Ich möchte nah ran: an die Momente, die zwischen Vergessen und Erinnern liegen, an die Menschen, die täglich damit leben, aber auch an die, die täglich dabei sind. Also habe ich zugehört, denen, die die kleinen Momente kennen, die Stille, die Wiederholungen. Demenz ist nicht nur Verlust, sie ist auch Gegenwart. Ein Moment, der zählt, ohne sich an den vorherigen erinnern zu müssen. Eine Berührung, die bleibt, auch wenn der Name entfällt. Sie sind manchmal fragmentiert, manchmal überraschend klar, manchmal einsam und manchmal voller Wärme. Demenz ist so facettenreich. Sie hat Seiten, die wir oft übersehen, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, das Verschwinden zu betrauern. Meine Fotografien machen diese Facetten erfahrbar, aus der Perspektive derer, die sie leben. Tritt ein in eine Wahrnehmung, die nicht deine eigene ist, mit Orientierungslosigkeit, aber auch der seltsamen Freiheit, die entsteht, wenn Erwartungen verschwimmen. Fühle das Staunen über etwas scheinbar Alltägliches, als sähe man es zum ersten Mal. Nicht als Erklärung, als Einladung. Nicht mit Mitleid, mit Verständnis.

Begleitet durch Prof. Alexander Sander und Prof. Thekla Ehling

Paul Sommerfeld

zum Projekt
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