Luisa Rausch
sie/ihr
BA
PD
Was ist eigentlich gutes Design? Und wo sehe ich mich als Designerin? Die Frage verfolgt mich, seit ich mich mit Victor Papanek auseinandergesetzt habe. Kann Design mehr sein als Konsum? Mehr als human-centered? Mehr als „schön“? Wie gestaltet man etwas, das nicht nur dem Menschen nützt? Ich will weg vom klassischen Designverständnis. Weg von höher, schneller, weiter. Weg von Innovation um der Innovation willen. Hin zu Kreisläufen. Hin zu Symbiose. Hin zu More-than-Human. Dann kam das Moor. Und plötzlich hing alles miteinander zusammen: Klimaschutz. Biodiversität. Landwirtschaft. Wasser. Material. Wertschöpfung. Warum wird dem Moor so wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Moor muss nass. Ohne Wasser kein Moor. Ohne Wiedervernässung kein Klimaschutz. Ohne Landwirtschaft keine Wiedervernässung. Ohne neue Wertschöpfung keine Akzeptanz. Alles hängt mit allem zusammen. Systemdenken. Dann kamen die Materialproben. Nasswiesenheu. Paludi-Biomasse. Heterogen. Widerspenstig. Charmant. Genau das Gegenteil von industrieller Perfektion. Kann man das pressen? Binden? Schöpfen? Kann man daraus etwas bauen, ohne seine Eigenschaften zu verlieren? Erfolgserlebnisse. Fehlschläge. Zwischen Euphorie und Überforderung. Zwischen: „Das wird richtig gut.“ Und: „Was mache ich hier eigentlich?“ Wie bringt man das Moor nach Hause, ohne das Moor zu verlieren? Die größte Herausforderung war die Übersetzung. Nicht kopieren. Sondern zitieren. Wie übersetzt man das Gefühl, im Moor zu sein? Wasser. Nebel. Stille. Vielfalt. Weiche Übergänge. Der Wind in den Gräsern. Das Gefühl, dass alles etwas langsamer wird. Nicht die Form war zuerst da. Sondern das Bild. Die Strukturen und Schichten. Die Stimmung. Die Atmosphäre. Die Aura. Vielleicht ist gutes Design nicht nur das Objekt. Sondern die Beziehung, die dadurch entsteht. Zwischen Mensch und Natur. Zwischen Nutzen und Verantwortung. Gestaltung kann Aufmerksamkeit schaffen. Neugier wecken. Fragen stellen. Ich wünsche mir, dass das Moor nach Parcours einen Platz in den Köpfen der Menschen findet, mit anderen Augen betrachtet wird und den Wunsch weckt, ein Moor zu besuchen und selbst zu erleben. Denn im Moor ist es nicht gruselig und matschig, sondern vielschichtig, faszinierend und überraschend schön.
Tell Me Moor
Von der Materialforschung zur Produktentwicklung – Gestaltung mit Paludi-Biomasse aus wiedervernässten Mooren
Moore gehören zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde. Sie regulieren den Wasserhaushalt, sind Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und erfüllen wichtige Funktionen für das Klima. Dennoch wurden viele Moorflächen über Jahrzehnte entwässert, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Ihre Wiedervernässung gilt heute als wichtiger Schritt für den Natur- und Klimaschutz. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit untersuche ich, wie Gestaltung dazu beitragen kann, die Bedeutung von Mooren sichtbarer und erfahrbarer zu machen. Ausgangspunkt meiner Arbeit ist Paludikultur – die landwirtschaftliche Nutzung wiedervernässter Moorflächen. Durch Materialforschung untersuche ich das Potenzial der Biomasse und entwickle daraus neue Ansätze für die Produktentwicklung. Mich interessiert besonders, wie sich Eigenschaften und Strukturen des Moores in Gestaltung übersetzen lassen. Das Moor dient dabei nicht nur als Rohstoffquelle, sondern auch als gestalterische Inspiration. Formen und Oberflächen greifen Merkmale der Moorlandschaft auf und übertragen sie in neue Kontexte. Meine Arbeit versteht Gestaltung als Verbindung von Mensch, Material und Landschaft. Sie soll dazu anregen, Moore neu wahrzunehmen – nicht nur als schützenswerte Ökosysteme, sondern auch als Ressource für eine nachhaltige Zukunft. Gleichzeitig zeigen die entstandenen Arbeiten das Potenzial von Paludikultur als Weg, Natur-, Klima- und Ressourcenschutz mit zukünftigen Formen der Landnutzung zu verbinden.
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Begleitet durch Prof. Steffen Schulz und Prof. Jan Wertel