Marilu Seidlitz

sie/ihr

Marilu Seidlitz

BA

PD

Am Anfang hatte ich eine Frage im Kopf, die ich nicht laut sagen wollte: Zeige ich mit dieser Arbeit gerade, dass wir als Produktdesignerinnen nicht mehr gebraucht werden? Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, meine Position zu finden. Bin ich die Auftraggeberin? Die Kuratorin? Die Qualitätskontrolle? Oder mache ich nur noch Prompts? Sobald ich losgelegt habe, hat sich das geklärt. Ich werde sehr wohl gebraucht. Es gibt so viele HÄ?-Momente — wo die KI Sachen erstellt, die komisch aussehen, keinen Sinn ergeben, oder einfach ohne jedes Gespür bewertet sind. Wo ich denke: wtf! wie kommst du da drauf, wie soll das funktionieren? Das Überraschende ist nicht, dass KI Fehler macht. Das Überraschende ist, welche Fehler sie macht — und dass ich sie erkenne. Dass ich weiß, was fehlt und wo ich eingreifen muss. Darum geht's in meiner BA. Größte Herausforderung: checken, dass ich gebraucht werde. Größtes Learning: KI macht echt oft Quatsch.

// prompt

Ein Simulationsprojekt mit KI im Produktdesign.

Nimmt uns KI den Job weg? Ich habe ein Designbüro aus KI gebaut um es heraus zu finden. Sechs Personas mit unterschiedlichen Haltungen und Geschmäckern arbeiten parallel an drei Produkten aus drei Designdisziplinen: LEYA übernimmt das Briefing, ANA recherchiert Märkte und Zielgruppen, LENA, KAI, JUN und VERA entwickeln jeweils ein eigenes Konzept — und ein simuliertes Kundenpanel aus 17 Personen bewertet am Ende, was überzeugt. Das klingt nach Automatisierung. Ist es aber nicht. Ausgangspunkt war etwas, das ich immer öfter gehört habe: Kann KI das nicht genauso gut? Braucht man euch Produktdesigner:innen überhaupt noch? Statt zu antworten, habe ich es ausprobiert — und nachgeschaut, was wirklich passiert, wenn KI einen Großteil des Designprozesses übernimmt. Die eigentliche Frage meiner Bachelorarbeit lautet: Wo befähigt mich KI als Designerin — und wo nicht? Wo nimmt sie mir zeitintensive Aufgaben ab, sodass ich mehr Raum für das bekomme, was nur ich kann: Haltung, Geschmack, die Entscheidung, die sich nicht ableiten lässt? Und wo liefert KI etwas zu Glattes, zu Erwartbares — sodass ich eingreifen, widersprechen, eine andere Richtung einschlagen muss? Das Ergebnis ist keine Antwort auf die Frage, ob KI Designerinnen ersetzt. Es ist ein Beweis, dass sie es nicht tut — und eine Einladung, KI als das zu verstehen, was sie sein kann: ein Werkzeug, das uns befähigt, wenn wir lernen es zu benutzen.

Begleitet durch Prof. Jan Wertel und Jan-Erik Höckesfeld M.A.

Miu-Ho Tang

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