Paul Sommerfeld
er/ihm
BA
PD
Ich entwickle die Methoden parallel zum Projekt. Nach jedem Workshop schaue ich was funktioniert hat und was nicht, und passe den nächsten entsprechend an. Was ich früh lerne: leere Blätter überfordern. Auswahlmöglichkeiten helfen. Wenn jemand aus einer vorgegebenen Auswahl wählen kann, kommt sofort Bewegung in die Gruppe. Die Dynamik ist schwierig. Manche reden viel, andere kaum. Ich versuche gegenzusteuern – manchmal klappt das, manchmal nicht. Das beste Gespräch des Tages passiert oft in der Pause. Eine Schülerin, die im Workshop kaum spricht, redet danach zwanzig Minuten am Stück. Beim Bodystorming sehe ich Dinge, die keine vorherige Methode gezeigt hat. Ein Schüler klemmt seine Trinkflasche zwischen Rücken und Rollstuhl-Lehne, weil es keine andere Lösung gibt. „Das mit dem Bügel ist doof gemacht, aber so ist der Rollstuhl aufgebaut. Ist halt scheiße.“ Beim Online Shopping ist plötzlich alle Aufmerksamkeit da. Eine Person weiß sofort was sie will. „Wenn, dann Original.“ Beim Dirty Prototyping scheitere ich. Ich stelle Taschen, Stoff und Klammern auf den Tisch und erwarte, dass die Gruppe loslegt. Das passiert nicht. Der Sprung von Material zu Idee ist zu groß. Ein Schüler fragt, warum man einen Rucksack überhaupt neu denken soll. „Ist halt ein Rucksack und da kommen dann die Sachen rein.“ Ich überlege danach lange, ob er recht hat. Beim nächsten Workshop passe ich es an – mehr Struktur, mehr Auswahl, ein konkreter Einstieg. Es funktioniert. Nicht perfekt, aber die Richtung stimmt wieder.
In Begleitung
Partizipative Gestaltung gemeinsam mit Schüler:innen einer Förderschule
Co-Design bedeutet nicht für Menschen zu gestalten, sondern mit ihnen. Die Menschen, für die etwas entworfen wird, sind von Anfang an Teil des Prozesses – nicht als Testpersonen, sondern als Mitgestalter:innen. Sie bringen etwas mit, das kein Designer ersetzen kann: das genaue Wissen über ihr eigenes Leben. Wie ihr Alltag aussieht, was fehlt, was nervt, was gebraucht wird. Dieses Wissen lässt sich nicht recherchieren. Es steckt in den Menschen selbst. Ich treffe mich seit April regelmäßig mit sechs Jugendlichen einer Förderschule in Essen. Wir reden über ihre Rucksäcke – was drin ist, wohin sie damit gehen, was funktioniert und was nicht. Daraus entstehen Workshops: Wir spielen Alltagssituationen nach, schauen gemeinsam online nach Rucksäcken, bauen erste Ideen aus alten Taschen und Stoffen zusammen. Der Rucksack ist mein Einstieg in ihre Lebenswelt. Was jemand täglich mit sich trägt, sagt viel darüber aus, wer man ist und was man braucht. Ich forsche nicht über die Jugendlichen, sondern mit ihnen. Sie entscheiden mit, welche Richtung das Projekt nimmt. Meine Aufgabe ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem das möglich ist – Methoden zu entwickeln, die ohne viel Lesen und Schreiben funktionieren, und einfach zuzuhören. Am Ende soll ein Prototyp entstehen. Was genau, entscheiden wir zusammen.
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Begleitet durch Prof. Carolin Schreiber und Sven Henkel B.A.